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Pfarr- und Kirchen-Geschichte Sankt Gudula Rhede
Ein kurzer Überblick.
von Josef H. Dalhaus

Während in der römischen Provinz am Rhein und am Niederrhein (z.B.Xanten) das Christentum bereits einige Jahrhunderte lang existiert, beginnt in Westfalen, dem Stammesgebiet der Sachsen, die Missionierung und Christianisierung erst im ausgehenden siebten Jahrhundert, in unserem Gebiet etwa 100 Jahre später. Hier ist es der vom Herrscher des Frankenreiches König Karl eingesetzte Friese Liudger (um 746 - 809), der Abb. vor dem Abriß der alten Gudula-Pfarrkirche im Jahre 1898seine missionarischen Spuren hinterläßt. Nachdem der spätere Kaiser Karl d. Große zahlreiche Klöster und Bistümer stiftete, gründet Liudger in hiesiger Gegend die beiden großen Pfarren Bocholt und Borken, die zu dem i. J. 805 gegründeten Bistum Münster gehören.

Die Siedlung Rhede geht aus einer Ansammlung von Häusern hervor, die sich in der Nähe der sog. "Borg" (heute Gelände Klausenhof), dem Stammsitz des adeligen Herrengeschlechtes von Rethe, gebildet hatte; Ersterwähnung als "rethi" in den Heberegistern der durch Liudger i. J. 799 gestifteten Abtei Werden (heute Essen) um 1050. Bereits um etwa 1100 gründeten diese Grundherren in Nachbarschaft zu ihrer Borg für die örtlichen Bewohner eine steinerne "Eigenkirche", deren Kirchengebiet schon bald danach aus der Urpfarre Bocholt herausgeschnitten und zur eigenständigen Pfarrei Rhede erhoben wird. Einziges bauhistorisches Zeugnis hierfür war der 1898 abgebrochene romanische Westturm der alten Pfarrkirche. Einen kleineren Vorgängerbau, wohl eine Holzkirche, hat es sicher gegeben. Das sich kirchenrechtlich entwickelte Patronats- und Herrschaftsrecht über die Eigenkirche, das z.B. auch die Einsetzung von Amtspersonen umfaßt, wechselt im Laufe der Jahrhunderte einige Male, bis 1803 lag es beim Prämonstratenserkloster Varlar bei Coesfeld. Das Kirchspiel Rhede gehört bis 1803 zum Fürstbistum Münster.

Das romanische Kirchlein stand etwa 800 Jahre lang an der gleichen Stelle, auf der sich die heutige neugotische Kirche erhebt. Pfarrpatronin war von Anbeginn die heilige Gudula aus Brabant/Belgien (* um 650, + 8.Jan.712). Es ist das einzige Gudula-Patrozinium in Deutschland.

Die Reformationszeit und weitere Kriegswirren im Laufe der Jahrhunderte, insbesondere der Spanisch-Niederländische und der Dreißigjährige Krieg, beeinträchtigten wie andernorts im Münsterland sehr stark die dörfliche und kirchliche Entwicklung. Kirchenräume und Religionsausübung boten im 16. u. 17. Jhdt. bei Visitationen von Kirchenverantwortlichen ihrer Zeit einen kläglichen Zustand, wie Protokolle bezeugen.

Der Vorgängerbau der heutigen Kirche war ein über Jahrhunderte gewachsenes Konglomerat verschiedener Baustile. Während der Ursprungsbau etwa 180 Gläubigen Platz bot, erfolgten Erweiterungs- und Umbauten Umbauten in den Jahren 1435 und 1784. Erst in friedlicheren Zeiten von 1662 bis 1750 steigt die Einwohnerzahl und damit Zahl der katholischen Christen von 760 auf 3.000, die zum Dorf und Kirchspiel Rhede gehören. Im diesem münsterländischen Kirchspiel sind die Bauernschaften Altrhede, Büngern, Krommert und Vardingholt vereinigt, später auch die Freiheit Krechting. Der zu Anfang des 19. Jhdts. gebildeten "Mairie Rhede" folgt 1845 die Vereinigung in der gemeinsamen "Schreibstube" Amt Rhede aus diesen sechs nun politisch selbständigen Gemeinden. Das Gebiet ist nahezu deckungsgleich mit dem Pfarrgebiet Sankt Gudula. Bis zum Ende des 19. Jhdts. wächst die Zahl der katholischen Christen auf 4543, das sind 99.4 Prozent der Einwohner. Im Münsterland war "man" katholisch.

Der die historische Kirche umgebende kirchliche Friedhof, der sog. Kirchhof (im Volksmund plattdeutsch "Kärkhoff" genannt), auf dem von Anbeginn die Toten der Gemeinde bestattet wurden, mußte schon 1807 wegen Überfüllung und gesundheitlicher Gefahren für die Bevölkerung aufgegeben werden.

Die Entscheidung über die dringend notwendige Kirchenraumergänzung wird im Jahre 1893 zugunsten eines Neubaues an gleicher Stelle bei gleichzeitigem Abriß der historischen Substanz gefällt. Als Kirchenbau-Architekt wählt man den Regierungsbaumeister Hilger Hertel den Jüngeren, der mit seinem Bruder Bernhard in Rhede hier in dreijähriger Bauzeit von 1898 bis 1901 sein Meisterwerk erstellt. Die übliche und bisherige Ostung der Pfarrkirche muß trotz des Abrisses mehrerer Häuser (z.B.Volksschule an der Kirchstraße) wegen der Raumenge aufgegeben werden: die neue große neugotische Hallenkirche und ihr Hauptchor muß nach Westen hin orientiert werden, d.h., der Kirchturm steht nun im Osten. Die Weite, Transparenz und Vielfalt der Durchblicke machen die St.-Gudula-Kirche in der historischen Stadtmitte am Markt zum bedeutendsten Kirchenbau der Neugotik im Westmünsterland, zumal sie den größten Teil ihrer im Gesamteindruck vorzüglichen Innenausstattung bewahren konnte. Leider wurden in den 1960er Jahren große Teile des direkten baulichen Wohn- und Geschäftsumfeldes der Kirche von der Kommune abgerissen. Prägend sind auf dem Alten Markt noch die Pius-Eiche von 1871 und die Marien-Statue von 1872.

Der Kirchenraum bietet gut 800 Kirchenbesuchern einen Sitzplatz.


Der industrieelle Aufschwung im 20. Jhdt. zieht starke Einwohnerzuwächse im Amtsgebiet Rhede nach sich: in gut 50 Jahren steigt die Zahl der katholischen Christen von 4600 um das Doppelte auf etwa 9 bis 10.000 bis Mitte der 1950er Jahre. In einer Zeit, in der alle Getauften noch praktizierende Christen sind, machen sie erneut weiteren ortsnäheren Kirchenraum erforderlich, auch im Hinblick auf das in der Historie entstandene eigentümliche Gemeindegebiet, das von Nord nach Süd ca. 15 km und von West nach Ost zwischen 5 bis 7 km aufweist, auf einer Fläche von fast 80 qkm.

Es entstehen eigene Kirchengemeinden

  • im Norden für das nördliche Gemeindegebiet Vardingholts, ab da genannt Vardingholt-Kirche, die St.-Marien-Kirche Vardingholt, eingeweiht am 17. Jan. 1934 durch den gerade erst ernannten Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen,
  • im Süden des Amtes Rhede für die Gemeinden Büngern, Krechting und Krommert die St.-Pius-Kirche Krechting, eingeweiht am 28. und 29. Sept. 1957 durch Weihbischof Heinrich Baaken.
  • im Süden der Gemeinde Rhede, in die 1955 die Gemeinde Altrhede eingegliedert worden war, die Kirche Zur Heiligen Familie Rhede, eingeweiht am 14. Dezember 1958, ebenfalls durch Weihbischof Baaken.

Weitere 50 Jahre später, muß der Weg wieder andersherum organisiert werden: Ein neues Kapitel Kirchengeschichte beginnt: Zurückgehende Kirchensteuereinnahmen sowie Zahlen der Kirchenbesucher und Seelsorger bedingen einen Rückbau der im 20. Jhdt. hochgefahrenen Organisationsstrukturen:
Aus den ehemals vier selbständigen Kirchengemeinden werden mit der Fusion und Gemeindeneugründung innerhalb eines neuen Gebildes wieder die "Katholische Kirchengemeinde Sankt Gudula", mit den vier Kirchorten St. Gudula, St. Marien, St. Pius und Zur Hl. Familie. Als Zeitpunkt wurde die Verabschiedung des langjährigen und hochverdienten Pfarrers von St. Gudula, Karl Schüttert, angesteuert, der mit Vollendung des 75. Lebensjahres am 14. Oktober 2007 sein leitendes Pfarramt aufgab. Am Sonntag, dem 28. Oktober wurde dann Arndt Thielen als Pfarrer der fusionierten Groß-Gemeinde St. Gudula in der alten und neuen Pfarrkirche Sankt Gudula in sein neues Amt eingeführt. Im frischen Alter von 36 Jahren übernimmt er diese Aufgabe und Verantwortung in einem neuen Team. Pfarrer Arndt Thielen verlässt unsere Gemeinde im Jahr 2014 und übernimmt die Pfarrerstelle in Geldern.
Unser neuer leitender Pfarrer ist nun Thomas Schulz, der mit einer großen Feier am 22.06.2014 in sein neues Amt eingeführt wurde. Pfarrer Schulz ist vielen in unserer Gemeinde gut bekannt, da er in den Jahren 1990-1994 als Kaplan an unserem Kirchort Zur Hl. Familie tätig war.

Die vier Kirchorte werden auf den folgenden Seiten einzeln vorgestellt.
Die geographischen Koordinaten unseres Sankt-Gudula-Kirchturms lauten (in Grad, Minuten und Sekunden):
6° 41' 53"
östlicher Länge von Greenwich (Meridian) ,
51° 50' 30"
nördlicher Breite (Parallelkreis).

    Weiterführende und benutzte Quellen:
  • Wilhelm Rave, Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 46, Kreis Borken, 1954.
  • Ursula Ninfa, Bau- und Kunstwerke im Westmünsterland, Borken, 1999. Geschichte der Stadt Rhede. Hrsg. Heimatverein Rhede, 2000.
  • Josef H. Dalhaus, verschiedene Autoren, 100 Jahre Sankt Gudula 1901 - 2001, Chronik-Band, reichlich bebildert, Rhede 2001, 224 Seiten (für 10 € im Pfarrbüro).
  • Heinz-Günther Wessels, Kirchenführer Kath.Pfarrkirche St. Gudula Rhede, 2001 (für 3 € in der Gudula-Kirche).
  • Damberg-Muschiol, Das Bistum Münster 805-2005, Münster 2005.